Nur das Kind ist ausgeschlafen und hellwach

13. März 2014

Symbolbild Confetti

Von Angela Zimmermann

Fasnacht als 10-Jährige:
Sind so guet! Bin im Wettbewerb mit Geschwistern und Schulkameraden. Wer bringt am meisten Orangen heim? Mehrmals die Säcke zu Hause leeren, Zwischendepots
an geheimer Stelle. Mutter stöhnt, weiss nichts mit der Orangenflut anzufangen. OSaft bis Ostern angedroht.

Fasnacht als 20-Jährige:
Endlich voll mit dabei. Festen, tanzen, trinken, flirten und noch viel mehr. Pausenlos maskiert und kostümiert von Höhepunkt zu Höhepunkt. Sehen und gesehen werden. Auf dem Heimweg im Taxi den Kopf aus dem Fenster in den Fahrtwind, um Schlimmeres zu verhindern. Mutter hat recht gehabt, ich hätte vorher etwas essen sollen. Das Bett fährt Karussell und nach zwei Stunden Schlaf geht es direkt an die Arbeit.

Fasnacht als 30-Jährige:
Mit dröhnendem Kopf und im Halbschlaf mit dem Kinderwagen auf dem Hauptplatz. Ein Gläschen weniger und eine Stunde früher ins Bett, das wäre wohl klug gewesen. Nur das Kind ist ausgeschlafen und hellwach. Babysitter sind Mangelware.

Fasnacht als 40-Jährige:
Ein guter Maschgerad weiss seine Kräfte und den Alkohol einzuteilen. Meistens. Mein Bekanntenkreis ist riesig, die Trommel ruft viel zu schnell zum Aufbruch. Kleiner Cowboy füllt mir den Kofferraum meines Autos mit Orangen. Der Wettbewerb ist eröffnet. Was fange ich bloss mit all diesen Orangen an?

Fasnacht als 50-Jährige:
Kostümiert statt maskiert unterwegs. Dazwischen immer ein Ruhetag. Das Wetter muss stimmen. Die Freinacht ist für die Anderen. Aus little cowboy ist ein Zigeuner geworden. Ich kann es nicht fassen, dass er nach durchfeierter Nacht direkt zur Arbeit geht.

Fasnacht als 60-Jährige:
Wie wird es sein? Werde ich dann sagen: „Sollen sie doch fasnächtlen, die Jungen. Schaue gern von aussen zu. Wird’s zu kalt oder zu laut, weiss ich wo mein Sofa wohnt.“ Wir werden sehen. Aber das Jucken in den Beinen, sobald die Trommel erklingt, das wird wohl für immer bleiben.