Koi gesucht

13. November 2010

Katze

von Angela Zimmermann

Lange habe ich mir sehnlichst eine Katze gewünscht. Mein Mann wollte partout kein Haustier mehr. Um doch noch zu einer Katze zu kommen, schenkten mein Sohn und ich meinem Mann auf den 50. Geburtstag ein junges Kätzlein. Pech gehabt, er hat es in einem Quiz an seinem Geburtstagsfest als 1. Preis gewonnen. Das hat man eben davon, wenn man so viel Allgemeinbildung mit sich rumschleppt.

Dass wir mit unserem Chätzli Munzli auch noch gleich einen ganzen Tierpark mitadoptieren, das ahnten wir damals noch nicht. Mit Läusen und Zecken hatten wir gerechnet, mit grösserem Getier jedoch nicht. Es begann mit süssen, kleinen Mäuschen, die unser Büsi Heim brachte und uns vorführte. Sie hetzte sie quer durchs Wohnzimmer und zwang sie jeweils mit einem sanften Pfotenschubser zum Richtungswechsel. Stellte die Maus sich tot, setzte sie sich geduldig daneben und kitzelte sie gelegentlich fast zärtlich mit einer Kralle, um sie zur nächsten Hetzjagd  einzuladen. Mit grossem Mitleid beobachteten wir dieses grausige Spiel und versuchten unserer Katze ihre Maus abzujagen. Doch das wendige Tier verteidigte fauchend seine Beute, und nur mit viel List gelang uns ab und zu eine Rettung.

Eine besonders intelligente Maus versteckte sich einmal hinter einem Gestell im Wohnzimmer. Mein Mann holte des Nachts noch Werkzeug, um das Möbel von der Wand zu schrauben, und die Maus aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Als nächstes schlossen wir Kontakt mit Vögeln aller Art, die auch irgendwie durch das Katzentörli gemurkst wurden. Unsere Rettungsversuche von halblebendem Getier wären wohl langsam filmreif. Besonders filigran geht unsere Katze mit Heuschrecken, Spinnen und Käfern um. Die kann man fangen, wieder gehen lassen, wieder
fangen, wieder gehen lassen – und dann in alle Einzelteile zerlegen. Von meinem blühenden Lavendel pflückt sie die Zitronenfaltern wie reife Erdbeeren. Müsste ich Verständnis dafür haben, nur weil ich Zitronen-Cakes so gerne mag?

Besonders grosse Freude bereitet sie meinem Mann, wenn sie ihm eine Blindschleiche vor die Füsse legt. Offenbar glaubt sie damit seine Schlangenphobie behandeln zu können. Seine Reaktion ist ja auch immer sehr heftig.

Ihre Opfertiere bringt sie meistens mit, wenn sie jemanden der Familie nach längerer Abwesenheit wieder willkommen heissen will. Diese Woche liess sie sich für Stefan was ganz besonderes einfallen. Sie stellte ihm nach Mitternacht eine riesige, hässliche, warzige Kröte vors Bett. Wir erwachten wegen der komischen Geräuschkulisse. Fragen sie mich nicht, wie die Katze dieses grosse, plumpe Tier getragen und auch noch durchs Chatzetörli und in den 2. Stock gebracht hat. Munzli beschäftigte sich damit, die Kröte mit einem Klapps ab und zu wieder zu einem Sprung zu animieren. Die Katze jaulte vor Freude, die Kröte trug auch ihren Teil zum disharmonischen Konzert bei. Wir waren uns lange nicht einig, wer nun diese Kröte wieder aus dem Haus schaffen musste. Schliesslich nahmen Mutter und Sohn die Dinge in die Hand, während der eigentliche Katzenbesitzer laut kichernd im Bett liegen blieb. Unser Tigerli konnte gar nicht verstehen, warum wir „not amused“ waren.

Nun warten wir auf die Steigerung. Was ist grösser als eine Kröte und gehört auch ins Beuteschema unserer Katze? Liebe Nachbarn, nehmt Euch in Acht. Falls Ihr in Eurem Garten einen Koi-Teich mit wertvollen grossen Karpfen habt……..

Vielleicht sollten wir das Chatzetörli verkleinern.