Hauptsache: Satt, warm und trocken!

13. November 2010

Symbolbild Chilbi

von Angela Zimmermann

Ihre Mutter habe immer gesagt: „Hauptsache: Satt, warm und trocken.“ Das erzählte eine Kursteilnehmerin in einer Diskussion rund um Lebenssinn und Lebensziel. Satt, warm und
trocken, diese Formulierung gefiel mir auf Anhieb. Gerade am Schwyzer Chilbiwochenende verstand ich, was diese weise Frau ihrer Tochter mitgegeben hatte.

Am Sonntag spazierte ich bei Sonnenschein über das Chilbigelände. Feine Düfte lagen in der Luft und luden zu kulinarischen Höhepunkten ein. Doch ich wurde nicht nur vom Essen satt. Ich traf viele liebe Menschen, die mich grüssten, mit mir ein paar Worte wechselten, mir zuprosteten. Und ich wurde satt von Zuwendung, Aufmerksamkeit, von Eindrücken und Sinneserfahrungen, von Freude an der Chilbi-Tradition, vom Gefühl der Zugehörigkeit.

Es wurde mir dabei warm ums Herz. Die Herbst-Sonne und ein bisschen Alkohol werden auch noch ihren Teil dazu beigetragen haben. Auf jeden Fall fühlte ich mich wohlig warm, aufgehoben und freundschaftlich eingebettet. Abends ging ich trockenen Fusses durchs Dorf und wieder nach Hause zurück. Ich fühlte mich sicher, geerdet, zu Hause. Das bedeutet also satt, warm und trocken.

Wie schnell dies ändern kann erlebte ich dann am Chilbi-Montag. Am Nachmittag regnete es in Strömen. Auf dem Gang durch den Markt wurde ich nass. Sofort wurde es ungemütlich und kalt. Die Marktbesucher huschten möglichst rasch aneinander vorbei, wichen den Pfützen aus und balancierten ihre Schirme mehr oder weniger geschickt aneinander vorbei. Ende der Gemütlichkeit. Es wurde sehr ungastlich auf den Strassen und man sehnte sich nach warmen Socken, einem knisternden Feuer und einem heissen Tee.

Satt, warm und trocken – ob nun wörtlich gemeint oder im übertragenen Sinne. Auf den ersten Blick nur geringe Ansprüche, auf den zweiten Blick aber unbezahlbare Momente von Lebensqualität. Mit einem Seitenblick in Krisengebiete und Kriegsländer werde ich dankbar und demütig und betrachte es als wertvollen Schatz in Schwyz ein Umfeld zu haben, in dem es sich satt, warm und trocken leben lässt. Und ich darf darauf vertrauen, dass auf hungrige, kalte und nasse Phasen immer wieder gute Zeiten folgen. Und ich hoffe, jemand von Euch verrät das auch den Marktleuten, die am Montag sicher kalte und nasse Füsse bekommen haben.