Hast Du Heimweh?

12. April 2018

Die meistgestellte Frage, die mir Daheimgebliebene stellen, ist wohl die Frage nach dem Heimweh. Nein, ich habe kein Heimweh. Vielleicht NOCH nicht Heimweh. Obwohl oder gerade weil ich hier grosse Freiheiten geniesse, bin ich immer on tour, beschäftigt, abgelenkt. Da merke ich kaum, dass mein Lieblingsmensch nicht da ist, dass meine Freunde mir fern sind. Ich kenne schreckliches Heimweh als Kind, diese langen Heulphasen, die es mir unmöglich machten, in ein Blauring-Lager zu gehen oder mich zwangen, einen Ferienaufenthalt früher abzubrechen.

Ob man kurze Momente der Sehnsucht oder der Melancholie schon Heimweh nennen soll? Ist es eher ein Augenblick des Erkennens, von dem was hier fehlt? Ein Whatsup meines Liebsten, ein Mythenbild im facebook….Momente der Erinnerung daran, wo die eigentliche Heimat ist.

Ich finde Weggehen viel schlimmer als Heimweh. Das Weggehen ist mir wirklich sehr schwer gefallen und ich habe wohl meine Tränen des Heimwehs schon alle vorher vergossen.

Wenn ich abends nach der Schule nach Hause spaziere, rennen mir beim Einbiegen in die Quartierstrasse die beiden Katzen meiner Hostfamiliy entgegen und begrüssen mich. In der Schule kennen mich die meisten Lehrer mit Namen, plaudern mit mir in den Pausen und sind daran interessiert, ob es mir gut geht. Der Küchenchef der Schulmensa kennt bereits meine Vorlieben und weiss, dass die alte Kaffemaschine meistens bei mir ihren Dienst einstellt und steigt schon über den Tresen, wenn er mich morgens kommen sieht. Die alte Dame am Pier grüsst mich freundlich und macht mit mir ein Schwätzchen, weil ich jeden Tag hier entlang laufe. Schöne Momente, die mir zeigen, dass ich hier willkommen und auch für eine gewisse Zeit Daheim bin.

Heimat. Was ist für mich Heimat? Muss ich noch ein bisschen darüber nachdenken. Vielleicht wird ein az-vision-Bulletin daraus.