Eine violette Linie quer durch die Migros

13. August 2014

Symbolbild Einkauf

von Angela Zimmermann

Meinen wöchentlichen Grosseinkauf mache ich in der Regel in der Migros im Mythen Center. Dort wird seit mehreren Wochen umgebaut. Zur Zeit erlebe ich dort Weihnachten und Ostern miteinander. Irgend jemand versteckt immer wieder neu meine Produkte und ich habe die Aufgabe, diese mühsam zusammen zu suchen. Da erlebe ich öfters verblüffende Überrraschungen und bekomme nicht immer was ich will.

Früher ging das ganz schnell. Ich hatte sogar einen vorgedruckten Einkaufszettel in der Reihenfolge der Warengruppen gemacht, damit ich ganz schnell und erfolgreich durch den Laden komme. Früchte, Brot, Fleisch, Milch, Getränke….. Vorbei! Meine Einkaufswelt ist völlig durcheinander gewirbelt. Das Produkteangebot verkleinert und auf etwa einen Drittel der früheren Fläche   zusammengequetscht. Die grossen Einkaufswagen zwängen sich durchs Nadelöhr und verursachen Staus wie am Gotthard.

Die Regie über meine Einkaufstour hat jetzt die Bauleitung, die dafür sorgt dass alle Bodenleger, Stromer und Maurer ihre Arbeit tun und Ecke für Ecke verschönern und verbessern können. Hut ab vor dieser logistischen Meisterleistung! So langsam komme ich aber als Kundin an meine Schmerzgrenze. Wohl auch das Personal, das sich mit den hektisch suchenden und oft verärgerten Kunden beschäftigen und öfters selber nach Produkten suchen muss.

Gestern war mal wieder alles neu. Und dieses Mal haben sie sogar meinen Metzger versteckt, den ich dann mit seinem Angebot an einem völlig neuen Platz gefunden habe. Dass er mir sagte, dass dies nur ein Provisorium sei und er in zwei Monaten wieder an einen neuen Ort komme, hat mich doch etwas beunruhigt. Hört denn das nie auf? Wahrscheinlich sollte ich die ganze Sucherei und Lauferei positiv sehen. Zu den Cumulus-Punkten gibt es das Fitnesstraining und eine Stunde Gedächtnistraining gratis dazu.

Da hör ich schon das Kleingewerbe stöhnen. Ja, Ihr habt recht, ich könnte ja zu Euch kommen. Aber ich spüre da einen gewissen Reiz, eine Spur Ehrgeiz, die mich auffordert, nicht aufzugeben. Ich lass mich doch von so ein bisschen Baustelle nicht unterkriegen. Ich habe nun schon die Schulgasse, die Bahnhofstrasse und alle Agro-Baustellen überlebt. Jetzt kriege ich es auch in der  Migros hin. Zudem wird mein detektivischer Spürsinn angeregt wenn auf dem Zettel steht: Such die Aprikosenmarmelade.

Falls Ihr aber eines morgens eine violette Orientierungslinie auf den neuen, modernen Migros-Bodenplatten entdeckt, dann war ich das. Ich habe das an der Leichtathletik-EM in Zürich beim Marathon abgeschaut. Die haben dort den Läufern in der Stadt eine violette Linie zur Orientierung auf die Strasse gesprayt. Eines Nachts werde ich mich rein schleichen und mir meine optimale, schnellste, persönliche Einkaufsroute einzeichnen. Und dann hab ich‘s wieder voll im Griff. Und wenn dann nochmals jemand die ganzen Gestelle und Wände verschiebt, dann werde ich richtig sauer.